Protokoll einer Irrfahrt nach Russland und zurück

Teil 1: Der Zöllner | Teil 2: Das Notebook |
Teil 3: Zehntausend Rubel | Teil 4: So weit die Füße tragen

Teil 4: So weit die Füße tragen

Freitag, 24. Oktober 2008

Überraschung: ich soll zum Zoll kommen. Es wird ein Antrag für die Erteilung einer Plombe geschrieben. Dann soll ich im Lager die Box laden und warten. Doch die Einfahrt in den Zollbereich ist nicht so einfach. Nach einem weiteren Formular kann ich ins Lager fahren. Dort wird meine Ankunft registriert, die Box herangeholt und geöffnet. Die Geräte werden mit den Fotos verglichen. Die Box wird wieder geschlossen. Ich muss warten.

Nach 30 Minuten kommen ein Zöllner und die Brokerin mit der noch nicht abgestempelten Deklaration. Die Box wird eingeladen und das Fahrzeug verplombt. Ich soll das Lager verlassen und im umzäunten Bereich warten. Nach einer Stunde soll ich zum Büro gehen und die Lagergebühr bezahlen. Ein Zöllner bestellt mich ins Büro. Er will meinen Pass sehen. Ich muss wieder zum Auto, um ihn zu holen. Sie haben meinen Pass mehrfach kopiert, die Kopie liegt zwischen den Papieren. Na ja, ist halt Russland. x-fache Kontrolle. Ich soll in 20 Minuten zurück kommen zum Zöllner. Es trifft auch die Brokerin ein. Wir gehen von Schalter zu Schalter. Jeder der 10 Zöllner hat etwas mit meinen Papieren zu tun. Einer muss stempeln, ein anderer schreibt etwas hinein, einer darf unterschreiben. An einem Schalter werden die Daten zum x-ten Mal in den Computer eingegeben. Mannomann!

Gegen 16:00 Uhr soll ich in das Büro der Brokerin kommen. Sie hat nun endliche alle Papiere zusammen. Aber das Büro ist abgeschlossen.
Schnellstens zurück zur Dolmetscherin. Büro ist abgeschlossen.
Ich versuche es im Café. Hat schon geschlossen.
Ich gerate in Panik, heute ist Freitag, um 16:00 Uhr ist hier Feierabend. Ich renne wieder zurück zur Brokerin. Gott sei Dank ist sie da und gibt mir alle Papiere: Carnet, Deklaration, Rechnung, CMR.
ICH BIN FREI, ICH KANN FAHREN.
Inzwischen ist auch die Dolmetscherin wieder zu erreichen. Auch sie hat Dokumente für mich. Ich verabschiede mich.

17:00 Uhr
Abfahrt Richtung Grenze

22:00 Uhr
Ankunft Grenze RU/LV. Wieder schubse ich mich am LKW-Stau vorbei. Ein freundlicher Slowene lässt mich einscheren. Ich schenke ihm 5 EUR. Mit Laufzettel komme ich in den Zollbereich. Am kleinen Zollhäuschen gebe ich meine Papiere ab. Die Zöllnerin meint es nicht gut mit mir. Wo ist der Abfertigungsschein, bellt sie mich an. Ich habe keinen, sage ich. Das gibt’s nicht, sagt sie. Doch, erwidere ich und denke: ‚Mach deine Augen auf und lies meine Dokumente!’ Das ist ein Re-Export. Außerdem reicht es jetzt, ich habe 10 Tage in Smolensk gewartet, belle ich jetzt. Sie telefoniert mit verschiedenen Leuten. Eine Kollegin kommt. Sie beratschlagen. Sie lässt mich eine kleine Deklaration ausfüllen: persönliche Daten, Fahrzeugkennzeichen, wie viel Geld, ob Waffen und Narkotika.

Bei solchen Sachen könnte ich mich immer aufspulen. Das ist doch nicht konsequent. Warum fragen sie das nicht auch, wenn man einreist? Ist halt Russland.

Die Zöllnerin sagt, ich solle mit den Papieren zum großen Zollamt gehen, dann in die Röntgenhalle und wieder zurück. Ich gehe zum großen Zollamt, zeige meine Docs und werde nach einiger Zeit wieder zurückgeschickt zum kleinen Häuschen. Alles klar, sage ich der Zöllnerin. Kollege hat gesagt, stempeln lassen und weiterfahren. Sie bellt wieder: zurück zum großen Gebäude, außerdem röntgen lassen. Wütend gehe ich wieder zurück. Diesmal belle ich auch den Zöllner an und schalte den Chef ein: erstens werde ich hier ständig hin und her geschickt, zweitens ist der ganze Vorgang sowieso Blödsinn und drittens werde ich das Auto nicht röntgen lassen. Die Ware hat Russland nie betreten, sie war entweder immer mit riesigen Plomben versehen oder sie stand im Zolllager. Fertig!

Danach hat es dann aber immer noch nicht geklappt, erst als ich die Zöllnerin restlos genervt habe, hat sie dann mit dem Chef telefoniert, anschließend gestempelt, geschrieben und mich dann abgefertigt. Die Pass- und Fahrzeugkontrolle waren dann fast angenehm.

Samstag, 25. Oktober 2008

02:00 Uhr
Endlich bin ich auf lettischer Seite. Dort frage ich nach dem Chef. Ich finde ihn und erkläre meine Probleme. Carnet ATA hin nach Russland, Carnet TIR zurück nach Deutschland. Probleme beim russischen Zoll. Mittlerweise waren es drei Zöllner, die verächtlich von ihren russischen Kollegen sprachen. Sie erklärten mir die Problematik mit Carnet TIR bei dieser Ware. Dann nannten sie die Lösung. Das Carnet TIR wird nicht weiter bearbeitet, sie eröffnen das Carnet ATA neu und es kostet mich 50 EUR in ihre Taschen. So einfach kann die Lösung sein

Montag, 27. Oktober 2008

09:00 Uhr
Keinerlei Probleme beim Zoll in DE-Weilheim. Und kein „Tag der Deutschen Zöllner“.

Michael Oeser
ex.tra internationale transporte

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